Sezessionskrieg


Sezessionskrieg
Amerikanischer Bürgerkrieg

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Se|zes|si|ons|krieg 〈m. 1
1. 〈i. w. S.〉 Krieg mit dem Ziel der Sezession
2. 〈i. e. S.〉 Krieg zwischen den Nordstaaten u. den Südstaaten Nordamerikas 1861-1865

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Se|zes|si|ons|krieg, der <o. Pl.>:
Bürgerkrieg in den USA von 1861 bis 1865.

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Sezessionskrieg,
 
Amerikanischer Bürgerkrieg, War between the States [wɔː bɪ'twiːn ȓə 'steɪts], der Krieg 1861-65 zwischen den Nordstaaten der USA und elf aus der Union ausgetretenen Südstaaten. Die Ursachen, bis in die jüngste Zeit kontrovers diskutiert, liegen in der jahrzehntelang zunehmenden ökonomischen, soziokulturellen und politischen Auseinanderentwicklung von industrialisiertem Norden und agrarischem Süden und den daraus resultierenden Spannungen. Die damit aufs Engste verbundene (moralische und ökonomische) Auseinandersetzung um die Sklaverei war dabei nur ein, wenn auch zunehmend wichtiges Motiv unter mehreren (z. B. Frage der States' Rights, Schutzzölle). Die Wahl A. Lincolns, des Kandidaten der Republikanischen Partei, die sich v. a. gegen die Ausbreitung der Sklaverei wandte, zum Präsidenten veranlasste den Austritt (Sezession) South Carolinas (20. 12. 1860 und sechs anderer Südstaaten aus der Union. Im Februar 1861 schlossen sie sich in Montgomery (Ala.) unter Präsident J. Davis zu den Konföderierten Staaten von Amerika zusammen, während die Unionsstaaten das Recht zum Austritt bestritten und die Verteidigung ihres Eigentums ankündigten. Nach Ausbruch der Kampfhandlungen (12. 4. 1861südstaatlicher Angriff auf das Bundesfort Sumter in Charleston, S. C.) schlossen sich vier weitere Staaten den Konföderierten an; vier Border States (»Grenzstaaten«) mit Sklaverei (Delaware, Kentucky, Maryland, Missouri) und das westliche Virginia, das 1863 ein eigener Staat wurde, blieben bei der Union, die die Wahrung der nationalen Einheit zum primären Kriegsziel machte. Während der Süden sich v. a. auf den Kampfeswillen seiner weißen Bevölkerung, den strategischen Vorteil der inneren Linie und seine internationalen bedeutenden Baumwollexporte stützte, war der Norden an Menschen, Material und Wirtschaftskapazität weit überlegen. Seine gewaltigen Ressourcen konnte der Norden jedoch erst allmählich zur Geltung bringen. Die immer wirksamere Seeblockade, das Fehlen eigener Ressourcen und das Schwinden der Finanzierungs- und Ernährungsgrundlage führten schließlich zur völligen Zermürbung der Südstaaten.
 
Der Sezessionskrieg konzentrierte sich auf einen östlichen Schauplatz zwischen Washington (D. C.) und Richmond (Virginia), der Hauptstadt der Konföderierten, einen westlichen im Mississippital (ab Herbst 1863 verlagert ins Grenzgebiet zwischen Tennessee und Georgia) und das Meer. Während sich die Südstaaten unter General R. Lee im Osten bis Sommer 1863 gegen die Versuche der Unionstruppen, nach Richmond vorzudringen, behaupteten (Siege: Juli 1861 und August 1862 am Bull Run River, Juni/Juli 1862 Siebentageschlacht bei Richmond, Dezember 1862 bei Fredericksburg, Virginia, Mai 1863 Chancellorsville, Virginia) und auch auf nordstaatlichem Gebiet vordrangen (August 1862 Einmarsch in Maryland, Mai 1863 in Pennsylvania), waren die Nordstaaten ab 1862 mit der Einnahme von New Orleans (29. 4.) durch Admiral D. Farragut und mit dem Vormarsch General U. Grants (April 1862 Sieg bei Shiloh, Tennessee, Juni 1862 Einnahme von Memphis, Tennessee) im Westen erfolgreich. Die Proklamation der Emanzipation der Sklaven in den aufständischen Gebieten (1. 1. 1863 wirkte sich für die Union außenpolitisch günstig aus, da Großbritannien - entgegen den Erwartungen der Südstaaten - trotz seiner Abhängigkeit von Baumwollimporten neutral blieb. Die eigentliche Wende im Sezessionskrieg zugunsten der Nordstaaten erfolgte durch den Sieg der Unionstruppen bei Gettysburg, Pa. (1.-3. 7. 1863), und die Einnahme von Vicksburg, Miss. (4. 7. 1863. Aufgrund der hierdurch ermöglichten Kontrolle des Mississippitals durch die Unionstruppen wurde das Gebiet der Südstaaten zweigeteilt, die Nachschublinien der Konföderierten wurden unterbrochen; die Vollendung der Seeblockade unterband die im Süden benötigte Rohstoff- und Lebensmittelzufuhr. Nach der Festigung der Macht der Unionstruppen im Westen (Sieg bei Chattanooga, Tennessee, November 1863) gelang es Grant (ab März 1864 Oberbefehlshaber der Unionsarmee) 1864 in einer Reihe verlustreicher Schlachten im Osten, Lees Armee aufzureiben. Durch Verwüstungszüge der Unionstruppen (P. Sheridan im Shenandoah Valley, Herbst 1864; W. T. Sherman in Georgia, November/Dezember 1864) zusätzlich geschwächt, kapitulierten die Konföderierten schließlich (Lee in Appomattox, Virginia, 9. 4. 1865; Joseph Eggleston Johnston, * 1807, ✝ 1891, in Durham, North C., 26. 4. 1865).
 
Der Kriegsaufwand umfasste (nach Schätzungen) im Norden rd. 1,5 Mio. Soldaten (rd. 360 000 Tote, 275 000 Verwundete), im Süden rd. 800 000 bis 1 Mio. Soldaten (rd. 260 000 Tote, 225 000 Verwundete), die Zahl der beträchtlichen zivilen Opfer ist unbekannt; die Kosten betrugen insgesamt rd. 10 bis 15 Mrd. US-$. Der Sezessionskrieg, in dem erstmals militärtechnische Neuerungen (z. B. gepanzerte Schiffe, Maschinengewehre), Eisenbahn und Telegraf eine bedeutende Rolle spielten, beschleunigte im Norden das wirtschaftliche Wachstum, vernichtete aber weitgehend die Wirtschaftskraft der Südstaaten. Mit der Emanzipation der rd. 4 Mio. Sklaven (13. Verfassungs-Zusatz 1865: Sklaverei insgesamt verboten) war die Wirtschafts- und Sozialstruktur des Südens zerstört, eine Aussöhnung in der Zeit der Reconstruction infolge tiefer Verbitterung und eines wachsenden Rassismus im Süden und Rachegefühlen im Norden erschwert. Der Sezessionskrieg stellt einen wesentlichen Einschnitt in der amerikanischen Geschichte dar, da die nationale Einheit der USA gesichert und in der Folge die Zentralgewalt gestärkt wurde.
 
 
A. Nevins: Ordeal of the Union, 8 Bde. (New York 1947-71);
 
The official atlas of the Civil War, bearb. v. H. S. Commager u. a. (Washington, D. C., 1958);
 M. M. Boatner III: The Civil War dictionary (New York 1959);
 B. Catton: The centennial history of the Civil War, 3 Bde. (Garden City, N. Y., 1961-65);
 
The West Point atlas of the Civil War, hg. v. V. J. Esposito (New York 1962);
 J. G. Randall u. D. Donald: The Civil War and reconstruction (Neuausg. Lexington, Mass., 1969);
 K. M. Stampp: The causes of the Civil War (Neuausg. Englewood Cliffs, N. J., 1974);
 P. J. Parish: The American Civil War (New York 1975);
 E. M. Thomas: The Confederate Nation, 1861-1865 (ebd. 1979);
 J. M. McPherson: Für die Freiheit sterben. Die Gesch. des amerikan. Bürgerkrieges (a. d. Amerikan., 1992);
 
The American Civil War. A handbook. .., hg. v. S. E. Woodworth (Westport, Conn., 1996).
 
Zeitschrift: Civil War history (New York 1955 ff.).
 
Hier finden Sie in Überblicksartikeln weiterführende Informationen:
 
Vereinigte Staaten von Amerika: Bürgerkrieg und Reconstruction
 

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Se|zes|si|ons|krieg, der <o. Pl.>: Bürgerkrieg in den USA von 1861 bis 1865.

Universal-Lexikon. 2012.

Synonyme:

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